„Meine Eltern glaubten, es sei Kalziummangel“

Peter ist einer von derzeit rund 1.600 Deutschen, die an der seltenen Erkrankung „Hereditäres Angioödem" (HAE) leiden. Die Dunkelziffer liegt Schätzungen zufolge weitaus höher. Der Grund: Selbst Ärzte erkennen die chronische Erkrankung, die sich besonders durch Schwellungen im Bereich der Hände, Füße und des Gesichts bemerkbar macht, oft nicht. Auch Peter wurde lange Zeit unzureichend behandelt. „Ich litt unter Magen-Darm-Beschwerden, Kreislaufproblemen und natürlich den typischen Schwellungen." Treten diese im Kehlkopfbereich auf, können sie lebensbedrohlich sein. Heute setzt sich der Bauingenieur aus Minden für mehr Aufklärung ein. Dank heutiger Behandlungsmöglichkeiten kann er ein fast normales Leben führen – und wird in einigen Monaten selbst Vater.

Die erste Schwellungsattacke erlebte Peter im Alter von fünf Jahren; richtig behandelt wurde er aber erst fast zwei Jahrzehnte später. Dazwischen liegen Jahre, in denen ihm nichts übrig blieb, als die Erkrankung hinzunehmen. Vom ersten Auftreten der Symptome bis zum Abschwellen vergehen etwa drei bis vier Tage – dadurch konnte er bei vielen Dingen, die für seine Freunde selbstverständlich waren, nicht mitmachen. „Die häufigen Fehlzeiten haben mir während der Ausbildung oft Schwierigkeiten mit meinem damaligen Chef eingebracht", so Peter. „Man fühlt sich sehr hilflos, weil man sich ja selbst nichts mehr wünscht, als etwas gegen die Anfälle tun zu können."