„Schon seit meiner Kindheit leide ich unter den Schwellungsattacken"

Die Diagnose HAE erhielt Karin Paradies 2008 – damals war sie 39 Jahre alt. Zu diesem Zeitpunkt liegt bereits ein langer Leidensweg hinter der jungen Frau. Ihre ersten Beschwerden bekommt sie schon als Kleinkind, im Kindergarten. Von da an werden die krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden, die durch die Schwellung hervorgerufen werden, zu einem ständigen Begleiter für sie. Die Grundschulzeit verläuft unter diesen Umständen nicht viel besser und noch immer können die Ärzte die Beschwerden des jungen Mädchens nicht auf ein eindeutiges Krankheitsbild zurückführen. Auch während ihrer Ausbildungszeit zur Elektrotechnikerin hat sie immer wieder gesundheitliche Probleme und kann oft nicht am Unterricht teilnehmen. In Folge einer Angina geht es Karin Paradies im Alter von 18 Jahren in der Prüfungsvorbereitungszeit kurzzeitig besonders schlecht: Ihre Atemwege schwellen an und durch den ganzen Schleim bekommt sie keine Luft mehr und droht fast zu ersticken. Ihr Ausbilder reagiert schnell und ruft den werksinternen Notdienst. In der Zwischenzeit wirkt eine Kollegin, die an Asthma leidet, beruhigend auf Karin ein. Der Notdienst bringt sie ins Krankenhaus, in dem ein HNO-Experte zwar die Angina und eine Kehlkopfschwellung bestätigt, jedoch keine weiteren Auffälligkeiten feststellt und somit keine seltene Erkrankung in Erwägung zieht.

Aufgrund der anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden wird sie immer wieder zur Darmspiegelung geschickt – insgesamt sieben Mal. Doch auch diese Untersuchungen bringen keine Ergebnisse. „Viele Jahre dachte ich fälschlich, dass ich unter einem nervösen Magen-Darm-Bereich leide", erzählt die ausgebildete Elektrotechnikerin. Im Jahr 2000 wird Karin Paradies schwanger. Noch immer weiß sie nicht, welche Ursache ihre Schmerzen haben. Die Schwangerschaft selbst übersteht sie ohne große Komplikationen. Die Attacken kommen jedoch nach der Schwangerschaft häufiger, ungefähr alle vier Wochen, und werden von sehr starken Kreislaufproblemen begleitet. „Manchmal konnte ich aufgrund der Kreislaufprobleme gar nicht aufstehen und bin den ganzen Tag mit meinem Kind im Bett geblieben. Gewickelt habe ich es dann auf dem Boden neben dem Bett." Der Hausarzt stellt den Verdacht auf Salmonellen, aber auch dies erweist sich im Nachhinein als nicht richtig. 2003 wird sie erneut schwanger: „Bei meinem zweiten Kind litt ich nun ständig unter Schwellungen. Es fühlte sich so an, als würden die Attacken nie richtig weggehen, sondern nur wandern", erinnert sie sich. Besonders mit zwei kleinen Kindern ist eine solche Situation dramatisch. „Meine ältere Tochter hat sich damals oft rührend um ihre kleine Schwester gekümmert, weil ich manchmal nicht mehr aus dem Bett aufstehen konnte – diese Momente gehen mir heute noch zu Herzen", gibt sie zu.